Historisches zum Schnitzen, Klöppeln und unserem Verein

Holzbearbeitungswerkzeuge

Schnitzen…

Handwerkliche Beschäftigungen und Aktivitäten bildeten in allen Epochen stets einen äußerst wichtigen, künstlerischen Lebensinhalt. Vor allem für einfache Menschen waren sie die einzige Möglichkeit, ihre ganz persönlichen, individuellen Gefühle entsprechend ihren Fähigkeiten auszudrücken und sichtbar darzustellen. Die jeweilige Ausdrucksweise entsprach dabei vordergründig vor allem ihrer Sicht der täglichen Dinge.

Das galt im Besonderen auch für die Menschen im wirtschaftlich kargen Erzgebirge, die ihren Lebensunterhalt in erster Linie mit harter, körperlicher Arbeit in Bergbau und Landwirtschaft verdienen mussten. Auch sie suchten schon frühzeitig individuell künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten. Diese mussten entsprechend den äußeren Lebensbedingungen unbedingt ohne besonderen, zusätzlichen Aufwand, mit möglichst einfachen Hilfsmitteln „handlich“ (mit den Händen) und „daheim“ ausführbar sein.

Für jene, die in der Regel tagsüber körperlich schwere Arbeit zu verrichten hatten, kam damit zwangsläufig der Umgang mit Holz infrage, zumal ein scharfes Messer oder dergleichen zu ihren ständigen Utensilien zählte. Daraus entstand eine Beschäftigung, die heim-handwerklich einer persönlichen künstlerischen Entfaltung kaum Grenzen setzte.
Auf diese Weise entwickelte sich vielerorts das Schnitzen als volkskünstlerische Betätigung, stets mit der Prägung regionaler Gegeben- und Besonderheiten.

Bei uns im Erzgebirge und seinem Umfeld, vor allem unter dem Einfluss bergmännischer Geschehnisse, Erlebnisse und Merkmale. Von Anfang an damit verbunden war der verständliche Wunsch nach einer gewissen Gemeinsamkeit gleichgesinnter Interessen. So entwickelten sich in der Regel absolut spontan Schnitzgemeinschaften und schließlich eigenständige Vereine. Der jeweilige Zeitpunkt war sehr unterschiedlich und hing oft von örtlichen Bedingungen, Personen und Zufälligkeiten ab.

Im Raum Hohndorf- Rödlitz- Lichtenstein erfolgte die Vereinsgründung im Januar 1923, also vor nunmehr 85 Jahren. Im Nebenzimmer der Gaststätte „Waldschlösschen“ an der Lichtensteiner Straße, unweit vom heutigen Schnitzerheim.

Klöppelsack mit Klöppeln

Klöppeln…

Trotz vielfältiger Wandlungen des Geschmacks sind Klöppelspitzen seit der Renaissance in Kunst, Mode und Volkstracht vielfältig vertreten. Dabei ist die oft von Frauen und Mädchen gefertigte „Handspitze” immer noch besonders begehrt, obwohl ihr seit etwa 150 Jahren mit industrieller Maschinenspitze sehr erhebliche Konkurrenz erwachsen ist.

Vermutlich Handelsleute brachten vor rund 450 Jahren die Klöppelkunst ins karge Erzgebirge, wobei die Spitzenklöppelei sehr schnell umfassend heimisch geworden ist. Sie wurde somit zu einem bestimmenden Faktor künftiger künstlerischer und wirtschaftlicher Entwicklung in dieser Region, wobei sich diese allerdings nicht im Selbstlauf vollziehen konnte. Gewisse materielle Voraussetzungen waren erforderlich, vor allem geeignetes Fadenmaterial gehörte dazu. Auch musste der Umgang mit den kleinen hölzernen Fadenträgern, den Klöppeln, erst erlernt werden.

Im Zusammenhang mit der Verbreitung des Klöppelns im Erzgebirgsraum steht in erster Linie der Name Barbara Uthmann. Sie hat den Hauptanteil an der umfassenden Entwicklung gehabt, hat die Beschaffung von Mustern und Material organisiert und wohl den Klöppelsack eingeführt. Gleichzeitig hat sie auch die Klöppeltechnik wesentlich verbessert und vor allem auch gelehrt, was besonders wichtig war. Als annaberger Geschäftsfrau stand sie an der Spitze der Verlegerinnen und hat damals für mindestens 900 Klöppelmädchen den Handel mit geklöppelten Erzeugnissen vollzogen.

Auch in Hohndorf wurde frühzeitig das Klöppeln als Volkskunst betrieben. Meist in der Schule, nach dem Unterricht, wurde in kleineren Gruppen unter Anleitung geklöppelt.
Mit dem Einsatz einer Absolventin der Fachschule in Schneeberg, als hauptamtliche Klöppellehrerin für den Kreis Stollberg, ergaben sich vor über 50 Jahren, im September 1956, in Hohndorf die Voraussetzungen für die zielgerichtete Anleitung einer Zirkelarbeit auf dem Fachgebiet Klöppeln. Seitdem hat sich das volkskünstlerische Klöppeln zu einem festen Bestandteil des 1991 gegründeten Schnitz- und Klöppelvereins Hohndorf-Rödlitz entwickelt.